Movember

oder meine familiären Schnauzbarträger.

Gab es zur damaligen Zeit (ich bin ein 68er Baujahr) überhaupt Großväter, die ohne Schnauzer lebten?

War es modern, politisch korrekt oder war „es halt einfach so“!

Viele haben mich gefragt, ob ich nicht auch über meine Großväter schreiben möchte. In etwa so wie meine verspätete Liebeserklärung an meine Großmütter.

Und was fällt mir als erstes dazu ein:

MOVEMBER   SCHNAUZBARTTRÄGER  MÄNNERGESUNDHEIT

Mein Pennewanger Opa starb früh. Meine einzige Erinnerung ist der Geruch des Bauernhauses und der riesige, lange Gang nach der Eingangstür. Da hätte für mich als Kind locker ein Haus hineingepasst.

Er starb wahrscheinlich an einem Zuviel:  zuviel an Allem (essen, trinken, Arbeit, Sorgen) .

„Er hot sich hoid um alles grannt“, so hieß das damals.

Als Bürgermeister in der Nazizeit, und kein Nazi zu sein, bedeutete damals wahrscheinlich, sich immer um das Leben zu fürchten.

Und mein anderer Opa, den kannte ich genauer, da er alt wurde und bei uns im Haus wohnte.Opa3

Ein Asket wie im Bilderbuch, nur dass hin und wieder in seinem Gummistiefel eine Schnapsflasche vor seiner Frau versteckt wurde.

Unfreiwillig zum langen Gehen gekommen, als er von Russland nach der Gefangenschaft heimmaschierte.

Was der Pennewanger Opa alles an Zuviel hatte, glaube ich, hatte Opa an Zuwenig: zuwenig an Liebe seiner Eltern, Essen, Annerkennung … die Kargheit als Knecht.

Für mich hat er viel gearbeitet. Als Beschäftigungstherapie behielt er sich ein paar Stiere, um die er sich kümmerte, da war er schon über 80. Und er mochte keine eingefrorenes Essen. Meine Mutter, die kochte, hielt das für einen Spleen. Jetzt gehts uns beiden so, dass wir Eingefrorenes schlecht vertragen. Und ich mir wünsche, ohne Gefrierfach auszukommen.

Um wieder auf die Männergesundheit zu kommen, was hatten beide Männer trotz Zuviel und Zuwenig gemeinsam.

Sie hatten beide einen Familienverband, Freunde, einen Hausarzt, dem sie vertrauten, und der ihre Eigenheiten anerkannte, Frieden mit sich und den Seinigen, und ein Sterben, das selbstbestimmt und zuhause war.

Ja, ich zolle ihnen Respekt …

… und Schnauzer sind Geschmacksache!

2 Kommentare zu „Movember“

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