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Böhmische Verpel

Ich weiß eine Stelle, wo mein Heiligtum einer bestimmten Pilzart wächst.

Der nahe Ort heißt auch danach.

Irgendetwas mit Goldstadt oder so ähnlich.

Betonung auf Gold.

Ich gehe zu den Pappeln.

Der erste intensive Verpelgeruch schlägt mir entgegen.

Ich lasse mich zu Boden, rühre mich kaum noch von der Stelle.

Meine Augen scannen die Umgebung.

In meiner Vorstellung sehe ich die Verpel und suche so nach Ungereimtheiten am Boden.

Sie sind Meister des Versteckens und ich bin Meisterin des Entdeckens.

Das Finden der böhmischen Verpeln lässt einen Positiv-Cocktail an Hormonen in mir ausschütten.

Lauter Jubel ist aber unbedingt zu entsagen, da er eventuell andere Morchelsucher auf den Plan rufen könnte.

Und so begebe ich mich mit einer Handvoll an Verpelschätzen, gut getarnt mit Bärlauchblättern, nach Hause.

Die Zubereitung ist einfach wie genial.

Hopfensprossen und Verpeln in Butter gut und etwas länger durch-erhitzen, Bio-Ei vom Liebl-Hof darüber, etwas Salz und fertig.

Dieses Jahr hat Corona seine Vorstellung.

„Bleib daheim!“,  heißt die einzige Devise, die uns durchbringt.

Und so schwelge ich in Erinnerung.

Auch gut!

 

 

Wald tönen

Der Wald tönt, vielleicht ohne dessen Bewusstsein.

Frühlingshauche Temperaturen mit Föhnwind bringen ihn zum Klingen.

Da rauschen die Tannen und Fichten. Es wiegen sich darin die Wipfel.

Eichen rascheln mit ihrem letzten Laub.

Birken tönen, als würden Harfenklänge durchziehen.

Und die Eschen im Wind, wenn sie aneinander gerieben werden, geben den Klang von laut ächzenden Stimmen wider.

Wie lange werden wir die Eschenklänge noch hören? Ein Pilz bringt die Bäume zu Fall.

Heute, heute aber tönt der Wald.

Umami

Umami. Der 5. Geschmacksinn.

Das Wort Umami begegnet mir in meinen Lektüren immer öfter.

Umami kenne ich nicht!

Kam nie wissentlich vor in meinem geschmacklichen Repertoire.

Und doch wurde durch die wiederholte Begegnung mit dem Wort eine Begehrlichkeit erweckt.

Ich will auch Umami kosten!

Und wer suchet, der findet!

Samtfußrüblinge fermentiert sind laut Thomas Frebel, einem Kochstar aus Japan, Umami pur. Diese werden dort im Anschluss an die Fermentation wie ein „Steak“ am Barbecuegriller gegrillt. Pure Umami-Potenz.

Wahrscheinlich was für ein Zwergenvolk aus dem Märchen „Gullivers Reisen“.

Aber egal: diese Zutaten kenne und finde ich – inklusive einem genialen Koch, der mit Fermentation umzugehen weiß.

Also heute Auenlandschaft durchstreift und den perfekten Gemeinen Samtfußrübling (flammulina velutipes) gefunden.

Jetzt wart ich auf den Koch.

Und wenn ich Umami gekostet habe, schreibe ich weiter!

 

 

Wald inhalieren

Einfach – in einer Pause – einen mir fremden Wald inhalieren.

Losgehen, wohl wissend, wo das Auto schlussendlich wieder zu finden ist.

Sich treiben lassen.

Das grüne, saftige Moos bewundern.

Ein Foto von der geweihförmigen Holzkeule (Xylaria hypoxyla), beleuchtet von Sonnenstrahlen, machen. (Ziemlich cooler Name für einen Pilz, oder?) Dabei sich auf den feuchten Waldboden legen, um den Kosmos 1,60 Meter tiefer zu bestaunen.

Beim Weitergehen bernsteinfarbenes Harz finden und tief den Geruch inhalieren. Heimischer Weihrauch in Reinform.

Loslassen – weitergehen, um schlussendlich bei 14 Grad plus frische Trompetenpfifferlinge zu finden.

Abends gibt es Spaghetti mit Trompetenpfifferlingssauce .

Um nochmals tief in den Wald einzutauchen!

Schnupfnäschen ade

Oder …
Wie der Engelwurzbalsam die rote-Nasen-Zeit verkürzt oder zumindest erträglicher macht!

Heute war ich bei strahlendem Sonnenschein und 12 Grad plus im Wald um noch einmal das Gold der Buchenblätter zu tanken.

Das Eichenlaub rascheln zu hören und mich an meiner guten Laune zu erfreuen.

Lassen kann ich es trotzdem nicht, meinen Blick suchend oder findend schweifen zu lassen.

Diesjährige Engelwurzblätter stehen grün und klein neben den imposanten Samenständen, die wie ein braunes Feuerwerk wirken.

Auch im Frühling ist die Engelwurz für mich was ganz besonderes, sie schiebt ihre Blütenstände hervor und wirkt dabei wie eine Mutter, die ihr Kind schützend im Arm hält.

Und heute habe ich mir eine Engelwurzel ausgegraben. Ganz klassisch mit einem gefundenen Rehkrickerl.

Ich wasche die Wurzel, zerkleinere sie und trockne sie am Kachelofen an.

Nächsten Tag lege ich die Wurzel in Olivenöl, um sie im Wasserbad bei niedriger Temperatur für 2 Stunden ziehen zu lassen.

Abseihen, und Bienenwachs im Engelwurzöl schmelzen lassen. Eventuell wenige Tropfen vom ätherischen Öl Thymian linalool dazugeben.

Abfüllen-fertig!

Jetzt darf der Balsam auf seinen Einsatz bei roten Schnupfennäschen warten.

 

 

Räucherwerk herstellen

Allerheiligen ist immer ein stiller Tag.

Oft nehme ich diesen Tag um Räucherwerk herzustellen.

Diesmal habe ich Kräuter vom griechischen Inselurlaub dabei. Alles ist schon getrocknet, der Wind, die Meeresbrise, die Sonne haben dazu ihr übriges getan.

Andächtig zerbrösle ich Feigenblätter und mörsere sie in meinem alten Steinmörser. Gebe Rosmarinnadeln dazu, die wuchsen am Weg zum Demeter-Tempel.

Wir durften die griechische Gastfreundschaft und das Essen kennen lernen, und da war oft Zimt im Essen zu schmecken. Auch das kommt in das Räucherwerk hinein, ein kleines Stück einer Zimtrinde.

Und wieder mörsern.

Zitronenschale gebe ich noch hinzu und getrocknete Rosenblätter. Dort gab es köstliche Rosenmarmelade, wozu nur die ersten duftenden Rosen des Jahres genommen werden. Und am Heimweg rochen wir Weihrauch, auch davon nehme ich wenige Körner.

Nun vollziehe ich das Nachklingen eines tiefgehenden Inselaufenthaltes im Mörsevorgang  noch einmal in seiner Ganzheit.

Einen Monddurchlauf soll dieses Räucherwerk nun rasten und sich im besten Falle harmonisch zueinander finden.

Möge es gelingen!

Schwalbenflug

Die Schwalben sammeln sich.

Ich habe die Muse ihnen dabei zuzusehen.

Blauer Himmel, weiße Wolken und Schwalben, die im Tiefflug hoffentlich Nahrung finden.

Ein schönes Schauspiel, welches sich über Tage zieht.

Im Frühjahr genoss ich das selbe Spektakel, nur dass sich die Schwalben aus dem Süden einfanden.

Auch im Frühjahr, blauer Himmel, weiße Wolken, Schwalben und Zeit zum Schauen.

Da zwischen diesen zwei Tagen, meinen Schwalbenschautagen, der Sommer lag, da wurde mir wieder einmal ein Blick auf die Endlichkeit des Augenblicks gewährt.

Und zwischen diesen zwei Augenblicken war mein prall gefülltes Leben.

Blau

Himmelblau, türkisblau (ist zur politisch kontaminierten Farbe geworden), nachtblau, Attersee-blau, hellblau, dunkelblau, blitzblau, Meer-blau, tiefblau, smaragdblau, stahlblau, kobaltblau, himmelblau und zart-rosa (ich sehe so viele Schwangere!) azurblau, indigo…

So viele Abstufungen und Beschreibungen eines Farbtons!

Blau ist für mich die Farbe des Urlaubs, die Farbe der Sehnsucht nach dem Meer und ein Eintauchen in das Element Wasser.

Ein Sommermorgen

Eintauchen in einen Wald, in dem die sommerliche Hitze noch fern weilt.

Sonnenstrahlen dringen ein und wärmen mich.

Gelsen schwirren und oft klatsche ich eine tot.

Aus einem Reflex heraus.

Nahrung für ein Schwalbenjunges, einfach abgeklatscht.

Ein  blühendes Gräserfeld ist im Gegenlicht der Morgensonne zu bewundern.

Der Ton einer Sirene entpuppt sich als Maulwurfsgrille.

Am Heimweg kreuzt ein Feldhase meinen Weg.

Und wem das alles zuviel an „Schmus“ und „Heimat“ und „Liebe“ ist, der höre sich doch bitte Mascha mit dem Lied „Liebe siegt“ an.