Archiv der Kategorie: Pilze

Fichtenzapfenrüblinge oder der Wald ruft!

Der Wald ruft mich!

Oder ist es meine Sehnsucht nach dem Alleinsein, dem zur-Ruhe-kommen, um Augen und Ohren zu entlasten und meine Gedanken schweifen zu lassen?

Ich folge dieser Sehnsucht so oft als möglich.

Diesmal brachten mich meine Gedanken über den Wahnsinn von KANN-Bestimmungen der Regierung zu der für mich so hoffnungsvollen Jugendbewegung „Fridays for Future.“

Während ich gehe, wandert mein Pilz- und Kräuterauge den frühlingshaften Boden ab und entdeckt die ersten Minis an Pilzen.

Fichtenzapfenrüblinge, die eine perfekte Symbiose mit den am Boden liegenden Zapfen eingegangen sind.

So beginnt die Saison der Frühlingspilze.

Zur Größe der Pilze meinte ein Kind mal: „Ich hab ein „Riesiges“ gefunden“!

Das war dann Daumennagel-groß!

Mit Zwiebel, Speck, frischen Kräutern und Eiern ergibt es ein wahrlich frühlingshaftes Essen. Speck ist dabei eine „KANN-Bestimmung“ und kann bei „Nicht-Belieben“ weggelassen werden.

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Vielleicht hast auch du Sehnsucht nach etwas Großem!

Mit meinen Gedanken bin ich da bei „Fridays for Future“ und Greta Thunberg.

 

 

 

Frische TK-Ware!

Klimaneutral, regional, noch am Baum tiefgefroren und einen ökologischer Fußabdruck Größe 36, besser lassen sich Winterpilze als TK-Ware (Tiefkühlware) frisch geerntet nicht beschreiben.

Gibts wieder mal „TK-Ware aus dem Wald!“

Diesen Ausspruch verdanke ich der Restaurantleiterin vom Aqarium Carina Egger, wenn ich Winterpilze an dieses super feine Restaurant liefere.

Samtfussrüblinge, Austernseitlinge, Judasohren!

Alle drei Winterpilze die erst bei anfänglichen Minusgraden, Eis und Schnee so richtig zum Wachsen beginnen.

Durch die Ausstattung mit einer Art Frostschutz bereichern diese drei Heilpilze meine Wintermonate.

Winter und Pilze sammeln sind für Kenner kein Widerspruch!

Also, heute wird wieder mal mit frischer TK-Ware gekocht!

Wonderful life

Es gibt diese Tage, da weiß ich, ich muss um einen Schwammerlkorb-voll früher in die Arbeit fahren.

Und wenn im Radio beim Anblick der weißen Tupfen in grüner Wiese auch noch das Lied „Wonderful Life“ gespielt wird, heißt das für mich: „wenn’s läuft, dann läuft’s!“

Wiesenchampignons werden leider immer seltener, da sie Kuhbeweidung und Kunstdünger-Freiheit bevorzugen.

Sie schmecken nussig-pilzig.

Und wenn du sie einmal gekostet hast, wirst du Champignons vom Geschäft verweigern.

Ich hab heute Antipasti daraus gemacht, da die Champignons alle Minis waren und noch fest verschlossen.

Das Rezept ist einfach!

In sehr heißem Olivenöl die Champignons kurz anbraten, geschnittenen Knoblauch dazu und mit etwas Balsamico ablöschen.

Salz, Petersilie und Chillischoten darunter mischen.

Ab in den Kühlschrank und am nächsten Tag mit Baguette genießen.

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PS: Vielleicht fragt sich wer, ob Schwammerl zu finden das Leben wundervoll macht?

Ich sag dir, meistere Krisen, nimm Herausforderung an, denke gut und lange nach, und dann fallen dir vielleicht auch so „Unwichtigkeiten“ wie Schwammerl zu.

Grün

Abtauchen in Wälder, um dem Auge und der Seele Grün zu schenken.

Das lichte Grün der Birken, die mit ihren Blättern Glockenbimmel erzeugen.

Das dunkle Tannengrün, von dem Rosegger schon schrieb.

Kiefern, die ein knorriges Grau in ihr Grün bringen.

Fichten mit ihrem Normalo-Grün, welches der Klimawandel ordentlich in ein kränkliches Braun bringt.

Die Mütter des Waldes, die Buchen, die mit ihrem satten Grün Ruhe spenden.

Am Boden das dunkelgrüne Haarmützenmoos und die Weihnachtsdekogrüntupfen des Polsterkissenmoos.

Und ab und zu die Verlockungen von Fingerhut, Tollkirsche und Fliegenpilz.

Um mich dann, zwar ergötzt von deren Schönheiten, den irdischen Gelüsten zuzuwenden.

Um einen Steinpilz nach dem anderen aus dem Waldboden zu drehen.

Auge und Seele haben nach so einem Tag Grün getankt, die Träume senden aber Steinpilze.

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Danke Martin Hanslmeier für die schönen Fotos!

 

 

 

Urlaubsträume hegen und Austernbänke besuchen!

Wenn bei vielen Leuten das Abnehmen und Sport betreiben losgeht, also ab 1. Jänner, beginnt für mich die Sehnsuchtszeit nach fernen Ländern.

Da wäre mal in das Azurblau des griechischen Meeres zu  gleiten. Ist schon fix gebucht über das Kassandra-Projekt von Angelika Aliti.

Dann träume ich schon ein paar Jahre, den Raubvogelzug durch ein Tal in Georgien im Gras liegend zu beobachten. Wenn ich nur noch wüsste, wo das genau war!

Dem orientalischen Bazar von Isfahan und damit der Verheißung von Tausend und einer Nacht im Iran möchte ich auch nachspüren.

Und natürlich einmal in Mali von einem Dogon-Dorf zum anderen wandern und in Timbuktu die uralten Schriften einsehen. (Hoffentlich gibt es dort noch einmal das Reisen in Freiheit und vor allem eine friedliche Zeit!)

Meine Sehnsucht geht auch nach Bordeaux, wo ich erstmals auf einem Markt frische Austern mit dunklem Brot und gesalzener Butter vorsichtig gekostet habe. Auf jeden Fall war der Champagner und der Geruch nach Meer perfekt.

Um irgendwie meinen Träumen – heute und auf österreichischen Boden – einen Anstrich von Urlaub bieten zu können, besuche ich meine Austernbänke im nahegelegenem Buchenwald.IMG-20180107-WA0001

Seit Mitte November kontrolliere ich den Austern-Werdegang.

Der Regen und das warme Wetter sind nahezu perfekt für meine Austernbänke.

Bei wildwachsenden Pilzen  gibt es keinen Alleinanspruch.

Allerlei Schutzzeichen, auf dass niemand sie findet und nicht als Speisepilz im Winter identifiziert, platziere ich seit November um „meine Austernbänke“.

Und heute war es soweit.

Ein Urlaubstraum home-made: Austernseitlinge beerntet, Champagner aufgemacht, französische Chansons gehört und Urlaubsfeeling gehabt!IMG-20180107-WA0002

Magie

„Die Magie im Leben nicht vergessen“ war mein heutiges unverhofftes Motto!

Vor lauter Methoden, Arbeit, Rechnungen, Hirnarbeit kommt manchmal die Magie zu kurz.

Die Magie des Augenblicks. Eine Welt, in der das märchenhafte, bezaubernde und magische einen innehalten lässt, und die Ahnung von etwas Höherem vermittelt.

Ich fand mich heute in einem Märchenwald aus hunderten Fliegenpilzen wieder.

Ich hab mir einen Orakelpilz, ganz märchenhaft, gesucht und eine Antwort gefunden.

Und fotografieren haben sie sich auch lassen.

Nein, ich hab keine gegessen, die Magie braucht das nicht.fliegenpilz2

Sport

Vom Winterspeck zur Frühlingsrolle (geklauter Spruch!) überkommt mich die Vorstellung: “ Ich muss Sport betreiben!“ Pädagogischer Bull-Shit!

Trotzdem, strammen Schrittes marschier ich mindestens einen Kilometer Richtung Hauswald.

Begrüße die Wächtereiche im Vorbeiflug, und werde durch die Farbe blau aufgehalten.

Wow, die ersten Veilchen!

Aus Versehen habe ich ein paar Tüten in meine Sportbekleidung eingepackt.

Überzuckert? Auf eine Geburtstagstorte?

Und da, weil das Tempo schon gedrosselt, die ersten Hopfensprossen in lila-grün.

Morgen? Zum Mittagessen?

Der Befehl Sport an Hirn: „Auf die Knie“, kommt unerwartet, bringt mich aber in ein Märchenreich voll mit Fichtenzapfenrüblingen (Pilze, what else!). Fingernagelgroß und wie gesät, auf den am Boden liegenden Fichtenzapfen.

Die letzte Tüte wird gefüllt.

Nach zwei Stunden spuckt mich der Wald aus.

Ermattet, zufrieden, entschleunigt und gedankenentleert WANDERE ich einen Kilometer heim.

So schaut Sport aus, der mich glücklich macht.

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Der nackte Ritter

Zwei Pilzsammler fanden einen violetten Röttelritterling. Sagt der Eine zum Anderen: „So hat der Pilz vermutlich seinen Namen bekommen, der sieht doch aus wie der Po eines nackten Ritters im Winter im ungeheizten Schloss“ (nachzulesen in“Feine Pilzküche“ von Thuri Maag)

Lepista nuda (violetter Rötelritterling) rettet mir heute meinen Nachmittag. (Ritter machen das anscheinend so!)

Es gibt diese Sorgentage, wo ein Gedankenkarusell kaum zu stoppen ist. Irgendwer wirft wieder und wieder eine Münze ein, und deine Gedanken fahren Ringelkarussel.

Bei mir heißt dieses Zeichen: Ab in den Wald!

Wald hat zwar einen Biophilia-Effekt, der macht aber noch keinen Stopp im Hirn.

Mein Hobby und Strategie dazu sind Pilz suchen.

Und manchmal auch, mit meinem Enthusiasmus für Farben und Geschmack der Pilze andere zu begeistern.

Eine glückliche Fügung ist, wenn meine Pilzsammelleidenschaft auf die Leidenschaft einiger Köche trifft. So was nenne ich Fusion, die im Endeffekt auch noch Dritte beglückt.

Kurz noch zu Lepista nuda:

Ein Pilz, der aussieht wie ein nackter Ritter, dem es im Schloss seinen Po abfriert, dessen Geschmack und Farbe aber eher der einer Prinzessin ist, lila und parfümiert.

Und obendrein ein ausgezeichneter Speisepilz im Spätherbst ist.

Das sind die Märchen, die ein Wald erzählt.

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Wenn die Wölfe heulen

 

Drei Tage im bayrischen Urwald.

Zwei Tage zu „faden“ Wesen unterwegs, und dabei erfahren, dass auch Pilze Sex haben. Wie, ist mir noch immer schleierhaft.

Einmal die Wölfe heulen gehört.

Ach ja, und das Zodiakallicht hat uns zu unseren stromlosen Hütten begleitet.

Jetzt zuhause ist wieder Alltag. Ich kann abseits der Wege gehen und Pilze für ein Mittagessen sammeln. Im Urwald habe ich meine Augen und meinen Geruchsinn verwöhnt, meine Ohren entlastet, und dabei plötzlich einen Ameisenhaufen beim Leben gehört.

Abseits der Mykologie wurden Rezepte ausgetauscht. Auch Mykologen sind nicht von mykophagen Anwandlungen gefeit.

Ich schwärmte im Urwaldcamp vom Hollerröster. Keiner kannte dieses köstliche, süß fruchtige Mittagessen. Der Wald hat es heute gut gemeint, die Hollerbeeren sind reif.

Holler abgerebelt-gekocht-gegessen und vor Genuss in Richtung Wölfe geheult (heimlich, weil peinlich!)holler

Und heul: Mein Hollerröster schmeckt nach Herbst, Wald und Kindheit.

3 Handvoll abgerebelte reife Hollerbeeren

5 Zwetschken entkernt,

eine Zimtstange, 3 Nelken, 1 Vanilleschote, wenig Zitronenschale, und Zucker nach Geschmack in einem halben Liter Wasser eine halbe Stunde kochen.

Mit Puddingpulver klein wenig andicken und fertig.

Bei uns gibt es süße Grießknödel dazu. Mein Mann hat Kekse als Kindheitserinnerung dazu, hat sich aber im Laufe der Ehe auf die Knödelseite geschlagen.

Und weil die Wölfe so schön heulen, und Pilze traumhaft schöne Bildmotive geben, möchte ich euch Martin Hanslmeier mit seinen Natur- und Pilzwanderungen ans Herz legen. Von ihm stammt auch „fade Wesen“ statt „Fadenwesen“.

Ein Tag im Reich der Pilze

Samstag, 08.10.2016

10:00 – 18:00 Uhr

buchbar über Haus am Strom

 

 

 

 

 

Fehlerkultur

Das Leben lässt nur bedingt eine Fehlerkultur zu.

Durch Fehler lernt man!

Diese Weisheit lässt sich nicht immer anwenden.

Ich finde ja Extremsport ziemlich verrückt. Aber seit ich die Akribie an Vorbereitung und Fehlerausschaltung kennen gelernt habe, zollt er mir einen gewissen Respekt ab.

Allerdings ist mein Hobby auch extremsportartig.

Ich suche/finde Pilze.

Und das nicht knapp an Arten. Da sind die Körbe schon mal bunt und das Hobby ein Ganzjahreshobby.

Bei manchen Pilzen heißt es 1A-Pilz oder tödlich.

Das Stockschwämmchen versus Nadelholzhäubling.

Das sind zwei Pilze, die sich unglaublich ähnlich sehen und nebeneinander auf Baumstämmen wachsen können. Natürlich gibt es Unterscheidungsmerkmale, die aber nur mit …
viel Wissen  – Sorgfalt – 120% Erkennen – Überprüfen – Mut zum Stehen lassen des Pilzes,
erkennbar sind.

Oder wie unser ziemlich cleveres Patenkind sagt:

Vorsorgen ist besser als Heilen und Heulen.

Stockschwämmchen sind OH-la-la. Die heben eine mittelmäßige Pilzpfanne auf Steinpilzniveau. De facto, heißbegehrt.

Der Nadelholzhäubling legt dich ins Grab.
Und dieser tödliche Pilz sagt dir kein pfui ich bin bitter, grauslich etc.
Nein, nein. Völlig ungehindert passiert er deinen Mund.

Ich mag mein Hobby, und je mehr ich weiß, umso akribischer werde ich.

Conclusio:
Bei manchen Dingen im Leben gibt es kein Lernen/Kosten durch Versuch und Irrtum.